Sommerprojekt 2019

12. bis 23. August

Zufall, Fehler, gesteuerte Unvorhersehbarkeit

mit  Giovanni Di Stefano und Michèle M. Salmony Di Stefano

Mit dem «Sommerprojekt» beginnt für die vier Klassen der Fachklasse für Grafik jeweils das Schuljahr. Die gemeinsame Arbeit fördert das gute Verhältnis zwischen den Jahrgängen, die effektive Zusammenarbeit im Team wird geübt. Geleitet und betreut werden die Projekte jeweils von einer Gruppe von Lehrerinnen und Lehrern, die aufgrund ihrer beruflichen Spezialisierungen speziell für die betreffende Aufgabe zusammengestellt wird. 


Das diesjährige Sommerprojekt wollte den Lernenden der Fachklasse für Grafik Methoden näherbringen, Zufallsprinzipien und Fehler in einen Gestaltungsprozess einzubeziehen. Der Fokus in der ersten Projektwoche lag auf analogen Disziplinen, wobei in Einzel- wie auch in Teamarbeit mehrere Eventualistische Werke (Experimente von Giovanni Di Stefano) entstanden: Cerchi, 16 Quadrati, dArts, Segmenti und eigene Projektarbeiten. In der zweiten Projektwoche wurde mit digitalen generativen Prozessen wie Processing und Creative Coding experimentiert.


Fotos und Videos : Christian Flierl, Tim Buser, Julia Estrada, Anaïs Gysin und Joanne Lackey


TEAM

NICHOLAS MÜHLBERG | LEITUNG;  GIOVANNI DI STEFANO | KÜNSTLER EVENTUALISMUS;  MICHÈLE SALMONY DI STEFANO | DIDAKTIK EVENTUALISMUS, ASSISTENZ;

MARCO PAPIRO | INPUT MUSIK, ASSISTENZ;  CHRISTIAN PLATZ | INPUT LITERATUR;  BERND STIEGLER | INPUT FOTOGRAFIE; 
YANN GRAF UND ROGER AESCHBACH | GENERATIVE GRAFIK AM COMPUTER

CHRISTIAN FLIERL | FOTOGRAFIE;  TIM BUSER | ASSISTENZ FOTOGRAFIE;  JULIA ESTRADA, ANAÏS GYSIN, JOANNE LACKEY | TEAM FOTOGRAFIE

JULIA KAZIS | WEBSITE, SOCIAL MEDIA


 DIE GASTDOZENTEN

Image

Giovanni Di Stefano

1958 in Rom geboren. Ab 1982 Mitglied der Gruppo Eventualista. 1985 Diploma di Pittura, Accademia delle Belle Arti in Rom (Master an der Kunsthochschule Rom); seit 2013 Mitglied der ‹Visarte› Basel. Lebt seit 1998 in Basel und arbeitet dort in den Bereichen Malerei, Installation, Performance, Film und Elektro-Live-Musik.

www.giovannidistefano.ch

Im Zentrum der Kunst von Giovanni Di Stefano steht die Suche nach dem unverfälschten, spontanen Ausdruck der Persönlichkeit. Dabei stellt sich das Problem, dass Spontaneität nicht verordnet werden kann (Watzlavick nennt dies das ‹Paradoxon der Spontaneität›). Di Stefanos Lösung ist das Stellen einer ganz präzisen Aufgabe: Wer auch immer sich um eine exakte Erfüllung der gestellten Aufgabe bemüht, wird Fehler machen. Diese Fehler sind das ästhetische Ereignis, denn sie sind unfreiwilliger, unmanipulierbarer Ausdruck der Persönlichkeit.

Michèle M. Salmony Di Stefano

1955 in Basel geboren.
Künstlerische Arbeit in den Bereichen Theater, Text, Performance, Fotografie
Assistenz im Atelier von Giovanni Di Stefano

www.salmonydistefano.ch


Eventualistische Projekte


Cerchi

Nimm das Blatt mit dem gedruckten Kreis. Betrachte aufmerksam das Blatt, ohne von diesem oder vom Kreis in irgendeiner Weise Mass zu nehmen. Wenn Du glaubst, das Blatt genügend betrachtet zu haben, verbinde Dir die Augen und nimmt einen Bleistift. Versuche, mit dem Bleistift den Innenraum des Kreises vollständig zu übermalen: Es soll keinerlei weisser Raum im Kreis übrig bleiben, und kein Bleistiftstrich soll über die Linie hinausfahren. Dabei kannst Du das Blatt abtasten, um Dich mit den Händen zu orientieren. Die zur Verfügung stehende Zeit beträgt 15 Minuten oder weniger, wenn Du die Aufgabe früher für erfüllt hältst.

KUNSTFORUM INTERNATIONAL
BAND 82, DEZEMBER 1985 – FEBRUAR 1986, SEITE 300,

AMINE HAASE

NEUE KUNST IN DER EWIGEN STADT

Ein Bericht aus Rom

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«Es war spannend zu sehen, wie frei man sein kann, wenn man nicht sieht, was man tut.»
«Es war toll, Fehler zuzulassen und das Schöne in den Fehlern zu erkennen.»

dArts

Mit dem Dartpfeil einen Punkt in die Mitte der Malfläche schiessen. Diesen mit den Ecken der Fläche verbinden und die Felder farbig übermalen. Die Verteilung der 4 Farben wird ausgelost.


16 Quadrati

Mit verbundenen Augen 16 Quadrate in der Grösse von 10x10cm malen und komplett schwarz ausmalen.

Experimente der Blinden Malerei

StopandGo
Werkraum Warteck pp
Burgweg 15, 4058 Basel
25. – 28. Juni 2001

Die Ausführenden erhalten die Aufgabe, mit verbundenen Augen eine weisse Bildfläche mit aneinander liegenden Quadraten von 10×10 cm mit einem Grafit-Stift komplett auszufüllen.
Eine perfekte Ausführung dieser Aufgabe entspräche einem monochromen Bild bestehend aus schwarzen Quadraten.

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«Bei der Kreisaufgabe ging ich sehr zaghaft an das Ganze heran. Ich wusste noch nicht, wie es sein wird. Mein Strich kam dann auch dem entsprechend heraus. Bei der Quadrataufgabe war ich entschlossener, da ich zusätzlich unter höherem Zeitdruck stand. Fazit: Mein Strich kam fester und wilder heraus.»

Segmenti

Eine Fläche mit 5cm breiten und 4mm hohen Segmenten in 4mm Abstand voneinander bekleben. Die Segmente werden mit Augenmass geschnitten. Mit dem Holzplättchen jedes einzelne Segment sorgfältig auf der Malfläche andrücken. Malplatte weiss übermalen, 20 Min trocknen lassen. Dann: Malplatte 2 Mal schwarz übermalen, dazwischen 20 Minuten trocknen. Klebeband mit dem Cutmesser entfernen.

Segmenti

Ausgangspunkt ist die Faszination für den Kupferstich, in dem durch verschiedene Abstände zwischen Linien Volumen entsteht. Auf der Suche nach der Möglichkeit, diese Faszination in die abstrakte Malerei zu übertragen, entwickelte er diese Serie – Linien, …weiterlesen


Processing

Mit ersten Experimenten am Computer wurden Bilder mittels generativer Gestaltung kreiert. Giovanni Di Stefano und Michèle Salmony Di Stefano führten die Fachklasse mittels einfacher Codes in die Welt des Processing ein.

Giovanni Di Stefano

Die Konstruktion des imaginären Raums  

Konzert – Galerie Maison 44, Basel

Installation, Objekte, Malerei

Sa. 27.10. – Sa. 24.11.2018

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Projektarbeiten

Konzipiert ein eigenes eventualistisches Projekt und setzt es um! Diese Aufgabenstellung hielt die Fachklasse neben der Fertigstellung der analogen eventualistischen Arbeiten Segmenti, dArts, Quadrati und Cerchi Ende der ersten und anfangs der zweiten Projektwoche in Atem.


“La teoria eventualista, che ho formulato lentamente in tanti anni di lavoro artistico e scientifico, potrebbe essere desunta dai fatti, potrebbero essere illustrate prima le opere delle quali poi l’eventualismo sarebbe solo un’interpretazione. ”
— SERGIO LOMBARDO


Aufbau der Ausstellung. Fotos: Christian Flierl, Joanne Lacky

Impressionen der Vernissage. Fotos: Tim Buser