1995 Prove di memoria, Vortag und Workshop mit StudentInnen des Liceo Atistico,Termoli 1995 Prove di memoria, Vortag und Workshop mit StudentInnen des Liceo Atistico,Termoli 1995 Prove di memoria, Vortag und Workshop mit StudentInnen des Liceo Atistico,Termoli Giovanni Di Stefano, Prova di memoria, 1998, 200 x 200 cm, Tempera und Graphit auf Leinwand, Foto: Yves Binet Giovanni Di Stefano, Prova di memoria, 1998, 200 x 200 cm, Tempera und Graphit auf Leinwand, Foto: Yves Binet Giovanni Di Stefano, Prova di memoria, 1998, 200 x 200 cm, Tempera und Graphit auf Leinwand, Foto: Yves Binet 2002 Gedächtniskorrekturen – Eventualistische Projekte, spazio.gds, Basel 2002 Gedächtniskorrekturen – Eventualistische Projekte, spazio.gds, Basel 2002 Gedächtniskorrekturen – Eventualistische Projekte, spazio.gds, Basel 2002 Gedächtniskorrekturen – Eventualistische Projekte, spazio.gds, Basel 2002 Gedächtniskorrekturen – Eventualistische Projekte, spazio.gds, Basel

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Pressetext

Giovanni Di Stefano:
Gedächtniskorrekturen – Eventualistische Projekte

12. September–12. Oktober 2002
Ausstellung im spazio.gds: Mattenstrasse 45, Hinterhof, Basel
Donnerstag–Freitag 17–20 Uhr; Samstag 14–17 Uhr

Das Ereignis (evento) ist das Kunstwerk?
In der Eventualistischen Kunst steht der Moment, in dem ein Kunstwerk ausgeführt wird, im Mittelpunkt.
Die Person, die das Kunstwerk ausführt, muss nicht unbedingt der Künstler selber sein, sondern es ist jede Person, die sich auf diese Kunst einlassen will, dazu aufgefordert, an diesem Kunstwerk mitzuarbeiten. Die Aufgabe des Künstlers ist es, dem Publikum einen Stimulus zu geben, auf den es reagieren, eigene reale Erfahrungen machen und persönliche Inhalte manifestieren kann.
Deshalb ist die Eventualistische Ästhetik in drei Phasen aufgeteilt: Stimulus des Künstlers (eine Aufgabe an das Publikum), Ereignis (evento – d.h. der Moment, in dem irgendjemand die Aufgabe ausführt) und Dokumentation des Ereignisses (z.B. das Bild).

Zum Beispiel: Blinde Malerei
In der Ausstellung Gedächtniskorrekturen zum Beispiel sind Serigraphien ausgestellt, auf denen ein Polygon abgebildet ist. Die Aufgabe (Stimulus) besteht darin, sich das Polygon gut einzuprägen, um danach mit verbundenen Augen dessen Umriss auf der Serigraphie so genau wie möglich nachzuzeichnen und die Innenfläche vollständig schwarz auszumalen. Alle Ausstellungsbesucher/-innen können ein solches Experiment ausführen.
Das Ereignis, d.h. das eigentliche Kunstwerk, ist der Moment, in dem sich jemand auf diesen Stimulus einlässt und mit verbundenen Augen an der Aufgabenstellung arbeitet. Die Dokumentation des Ereignisses ist in diesem Fall ein Bild, auf dem zwei Formen zu sehen sind, die sich aufeinander beziehen und in einem intensiven Spannungsverhältnis zueinander stehen.

Präzise Aufgaben erzeugen spontane Reaktionen
Im Zentrum der Kunst von G. Di Stefano steht die Suche nach dem unverfälschten, spontanen Ausdruck der Persönlichkeit. Dabei stellt sich das Problem, dass Spontaneität nicht verordnet werden kann, dass niemand auf Befehl spontan sein kann (Watzlavik nennt das „Paradoxon der Spontaneität“).
G. Di Stefanos Lösung ist das Stellen einer ganz präzisen Aufgabe: Wer auch immer sich um eine exakte Erfüllung der gestellten Aufgabe bemüht, wird Fehler machen: das selber gezeichnete Polygon wird niemals deckungsgleich auf der vorgegebenen Figur zu liegen kommen, und die ausgemalte Innenfläche wird weisse Löcher aufweisen oder sich sogar ausserhalb der beiden Figuren befinden. Diese Fehler sind das ästhetische Ereignis, denn sie sind unfreiwilliger, unmanipulierter Ausdruck der Persönlichkeit.

Der Fehler ist das ästhetische Ereignis
Die Schönheit dieser Kunst liegt in der Spannung zwischen der vorgegebenen Figur und jenem Versuch, sie nachzubilden; sie liegt also im Fehler – im Verhältnis zwischen dem Stimulus des Künstlers und der Antwort der Ausführenden, die eine tiefe persönliche Erfahrung manifestieren. Je grösser der Unterschied zwischen den von verschiedenen Personen realisierten Ausführungen ist, desto wirksamer war der Stimulus des Künstlers.

Experimente mit offenen Augen
Die Aufgabenstellungen in Giovanni Di Stefanos Werk verlangen vom Ausführenden eine Gedächtnisleistung. Wird mit verbundenen Augen gemalt, kann die vorgegebene Form nicht mehr betrachtet werden. Sie muss also aus der Erinnerung reproduziert werden.
Dazu kommt noch, dass durch das Verbinden der Augen die Orientierung verloren geht und man sich nicht nur an die vorgegebene Form, sondern fortwährend auch an sein eigenes Tun erinnern muss. Bei den Arbeiten mit offenen Augen ist zwar das eigene Tun verifizierbar, aber die Gedächtnisleistung ist eine ähnliche. Als Beispiel soll folgendes Experiment gelten: Ein Stimulus-Bild von G. Di Stefano bestand aus vielen, sehr unterschiedlichen geometrischen Formen in Weiss auf einem schwarzen Grund. Durch das Tachistoskop prägte sich eine Person das Bild ein und versuchte dann, aus der Erinnerung heraus mit dem gleichen Material ein möglichst gleiches Bild herzustellen. Dieses zweite Bild galt als Vorlage für eine nächste Person. In dieser Abfolge arbeiteten 24 Personen. Das 24. Bild unterschied sich enorm vom ersten, und die Entwicklung der Polygonen-Gruppierung ist erstaunlich.